Waldemar Thorn

Waldemar Thorn (1876-1940) war Kunstmaler in Stuttgart. Er malte insbesondere expressiv anmutende Landschaftsbilder, aber auch einige Blumenstillleben.

Leben

Er wurde am 22. September 1876 als Sohn des Kaufmanns Karl Thorn und der Cölestine Thorn geb. Brodhag in Stuttgart geboren. Über den familiären Hintergrund und seine künstlerische Ausbildung ist uns derzeit nur wenig bekannt.1 Er besuchte die Stuttgarter Kunstakademie und war danach wohl für einige Zeit in Barcelona, wo er sich um den Jahreswechsel 1905/06 mit Seebildern von der katalonischen Küste einen ersten Ruf als Maler verdiente.2 Bald darauf könnte er nach Stuttgart zurückgekehrt sein, da er sich spätestens ab Ende 1906 an den Ausstellungen des Württembergischen Kunstvereins in Stuttgart beteiligte.3 Allerdings reichte er beim Kunstverein auch später noch Werke mit Motiven aus Spanien ein. Bei der Verlosung der im Zeitraum von 1911 bis 1913 durch den Kunstverein erworbenen Bilder im Dezember 1913 wurden drei spanische Bilder des Malers gelistet: Nr. 151 „Bei Barcelona“, Nr. 165 „Falset“ und Nr. 181 „Aus Spanien“.4 Auch im Folgejahr 1914 war nochmals ein Motiv „Bei Barcelona“ von Waldemar Thorn unter den verlosten Bildern.5

Mit eigenem Hausstand erscheint Waldemar Thorn erstmals im Stuttgarter Adressbuch von 1914 in der Moltkestraße 18 als Kunstmaler.6 1920 ist er an derselben Adresse als „Privatmann“ aufgeführt.7 Später wird er wieder Kunstmaler genannt.8

Seine Bilder scheint Thorn anfangs vor allem über den Württembergischen Kunstverein verkauft zu haben, z.B. 1909 das Motiv „Herbstmorgen“.9 Der Kunstverein beschickte auch Wanderausstellungen nach Franken und Bayern. 1910/11 war Waldemar Thorn mit sieben Gemälden an einer Wanderausstellung des Kunstvereins in Augsburg, Regensburg, Hof, Bayreuth und weiteren Orten vertreten.10 Im Folgejahr nahm er mit elf Bildern bei der Wanderausstellung im selben so genannten „Süddeutschen Turnus“ teil.11 Viele seiner Bilder sind ausserdem im Stuttgarter Kunsthandel nachweisbar, u.a. vier Gemälde, die 1912 bei Fleischhauer in Stuttgart versteigert wurden,12 fünf Gemälde, die 1920 bei Battiany in Stuttgart zur Auktion kamen,13 oder sogar gleich 16 Gemälde, die ebenfalls bei Battiany im Jahr 1921 verteigert wurden.14 Bei den Stuttgarter Auktionshäusern hat Thorn die Bilder aufgrund der Mengen wahrscheinlich selbst eingeliefert. Ausserdem lancierte er auch Werke in Stuttgarter Kunstgalerien, so z.B. in den Kunstsalon von Oskar C. Kubach gegenüber der Staatsgalerie.15 Im überregionalen Kunsthandel tauchen seine Bilder zu seinen Lebzeiten nur selten auf, z.B. eine Waldlandschaft, die 1913 bei Bangel in Frankfurt versteigert wurde,16 oder ein Stillleben mit Obst, versteigert 1923 bei Schmitt ebenfalls in Frankfurt.17

Er starb am 21. Juni 1940 in seiner Wohnung in Stuttgart an Darmkrebs.18 Der Maler blieb wohl ledig, da sowohl die Todesmeldung beim Standesamt als auch die Traueranzeige von seiner bei ihm in der Moltkestraße 18 lebenden Haushälterin Else Knapp unterzeichnet ist.

Auszug aus dem Stuttgarter Sterberegister.
Traueranzeige in Stuttgarter Neues Tagblatt, 24. Juni 1940, S. 8.

Werk in der Kunstsammlung Schmelzle

Inv. Nr. 2018.059: Blumenstrauß

Weitere nachweisbare Werke

Badende am Teich, Privatbesitz.19
Am Weiher, 56 x 69 cm, Karton.20
Straßenszene in einer Kleinstadt, 56 x 73 cm, Karton.21
Windmühle im Abendlicht. 45 x 57 cm, Karton.22
Küstenlandschaft, 39 x 51 cm, Karton.23
Winterlandschaft, 40 x 48 cm, Karton.24
Landschaftsbild, 48 x 62 cm, Lwd.25
Flußlandschaft, Privatbesitz.26
Bachlauf, Privatbesitz.27
Südliche Landschaft bei Barcelona. 24 x 39 cm, Karton. Verso bezeichnet.28
Landschaft mit Herbstlaub, Privatbesitz.29
Blumenstrauß, Privatbesitz.30
Blumenstrauß, Privatbesitz.31
Blumenstrauß, nach Angaben der Vorbesitzer leider irrtümlich zerstört.32

Einzelnachweise

  1. Nicht eingesehen: Personenakten des Kunstmalers Waldemar Thorn beim Staatsarchiv Ludwigsburg, Signatur F 215 Bü 450.
  2. Neues Tagblatt und General-Anzeiger für Stuttgart und Württemberg, 9. Januar 1906, Seite 2.
  3. Berliner Kunst-Herold, Jg. 6, 1906/07, Nr. 42 (17. November 1906), S. 344.
  4. Schwäbischer Merkur, 11. Dezember 1913, S. 8.
  5. Schwäbischer Merkur, 17. Dezember 1914, S. 8.
  6. Adressbuch Stuttgart 1914.
  7. Adressbuch Stuttgart 1920.
  8. Adressbuch Stuttgart 1925.
  9. Berliner Kunst-Herold, Jg. 9, 1909/10, Nr. 8, S. 68.
  10. Die Werkstatt der Kunst, Jg. 10, 1910/11, Heft 11 (12. Dezember 1910), S. 151.
  11. Die Werkstatt der Kunst, Jg. 11, 1911/12, Heft 19, S. 259.
  12. Felix Fleischhauer, Stuttgart, 21. bis 24. Oktober 1912 (Katalog Nr. 47), Lot 1312-1315.
  13. Otto Battiany, Stuttgart, 15. bis 17. März 1920 (Katalog Nr. 31), Lot 285-189.
  14. Otto Battiany, Stuttgart, 21. bis 23. November 1921 (Katalog Nr. 35), Lot 117-131.
  15. Annonce in: Der Bildereinrahmer und Vergolder, Jg. 1, 1914-16, Heft 7 (15. Februar 1915), S. 3.
  16. Rudolf Bangel, Frankfurt a. M., 3. und 4. Juni 1913, Lot 135.
  17. Altkunst Josef Schmitt, 20. März 1923 und Folgetage, Lot 122.
  18. Sterberegister Stuttgart 1940, Nr. 2341.
  19. Frdl. Mitteilung von Michael Tilly, Oktober 2024.
  20. Historia, Berlin, 7. Dezember 2016, Lot 1284.
  21. Kiefer Buch- und Kunstauktionen, Pforzheim, 18. Oktober 2014, Lot 7907.
  22. Historia, Berlin, 23. Januar 2021, Lot 7567.
  23. Auktionshaus von Brühl, Stuttgart, 20. September 2019, Lot 176. Startpreis 80 Euro.
  24. Auktionshaus von Brühl, Stuttgart, 20. September 2019, Lot 177. Startpreis 80 Euro.
  25. Gesehen im Januar 2023 bei ebay Kleinanzeigen.
  26. Frdl. Mitteilung von Michael Tilly, Oktober 2024.
  27. Frdl. Mitteilung von Michael Tilly, Oktober 2024.
  28. Auktionshaus Ruetten, 13. September 2009, Lot 247. Verkauft für 90 Euro.
  29. Frdl. Mitteilung von Michael Tilly, Oktober 2024.
  30. Frdl. Mitteilung von Michael Tilly, Oktober 2024.
  31. Das Bild war im Frühjahr 2026 bei kleinanzeigen.de im Angebot eines Verkäufers aus Bensheim, Preis 650 EUR.
  32. Frdl. Mitteilung von Michael Tilly, März 2026.