Robert Carle (1892-1952) war Maler, Modelleur und Bildhauer aus Heilbronn-Böckingen.
Leben
Er wurde am 11. März 1892 in Böckingen als ältester Sohn des gleichnamigen Bäckermeisters Robert Carle (1867-1936) geboren, der auch die Gaststätte Palme betrieb. Robert jun. besuchte die Volksschule und machte danach von 1906 bis 1909 eine Lehre als Zeichner und Modelleur bei der Heilbronner Silberwarenfabrik Bruckmann. Anschließende Wanderjahre führten ihn nach Italien, Frankreich sowie in die Schweiz. Sein Talent wurde mit einem Stipendium an der Deutschen Akademie Villa Massimo in Rom belohnt, das er jedoch aufgrund des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs im August 1914 nicht wahrnehmen konnte. Während des Kriegs war Carle 1917/18 zum Militär eingezogen. Nach dem Krieg war er wieder bei Bruckmann tätig, bildete sich aber auch in Edelmetallbearbeitung, Bildhauerei und Malerei weiter. Er beteiligte sich an Gestaltungswettbewerben für Medaillen, Notgeld- und Rentenmark-Münzen sowie für Kriegerdenkmäler.1 Ab 1925 war er freischaffend in Böckingen tätig, das 1933 nach Heilbronn eingemeindet wurde. Als freischaffender Künstler fertigte er neben Gemälden auch zahlreiche kunstgewerbliche Gegenstände und sogar Grabmale. Beispielweise stammt das Metallrelief auf dem Grabmal des Heilbronner Sozialdemokraten Gustav Kittler (1849-1929) auf dem Heilbronner Hauptfriedhof von ihm.2
Von 1930 bis 1935 beteiligte Robert Carle sich an den jährlichen Ausstellungen des Württembergischen Kunstvereins in Stuttgart. Er zählte ausserdem mit Hermann Busse und anderen zu der von Maria Hiller-Foell und Paul Kapell gegründeten „Juryfreien Künstlervereinigung“, mit der er 1930 eine Ausstellung in Stuttgart bestritt.3 1935 missfielen der Reichskammer der bildenden Künste Carles Landschafts- und Städtebilder, so dass dieser zeitweilig nur noch Porträts und Stillleben sowie kunstgewerbliche Objekte schuf.
Ab den späten 1930er Jahren nahm Carle an den regelmäßigen Weihnachtsausstellungen des Heilbronner Kunstvereins in der Heilbronner Harmonie teil.
Im Zweiten Weltkrieg diente Carle ab 1942 bei der Trümmerräumung im Sicherheits- und Hilfsdienst. Er war zunächst in Brüssel eingesetzt, ab 1944 in Cottbus. Auch dabei war er noch künstlerisch tätig und malte Porträts seiner Kameraden, darunter den ehemaligen Böckinger Hochleistungssportler Emil Mamber (1900-1984). Nach seiner Entlassung im März 1945 kam Carle bei seiner Schwester in Böckingen unter und malte Bilder der zerstörten Stadt Heilbronn.
Am 12. November 1949 heiratete er die Weinsberger Musiklehrerin Maria Naujoks und zog zu ihr nach Weinsberg, wo er jedoch schon 1952 an einem Herzinfarkt starb, nachdem er zwei Operationen wegen Darmverschlingungen überstanden hatte.
Der Böckinger SPD-Vorsitzende und Heilbronner Kulturbürgermeister Erwin Fuchs (1914-2006) hat mehrfach über Robert Carle publiziert und sich um dessen Andenken verdient gemacht.
Werk in der Kunstsammlung Schmelzle

Weitere nachweisbare Werke

Die Stadt Heilbronn erwarb 1966 vier Ölbilder Carles mit Böckinger Motiven: Am Böckinger See, Backofengäßle, Kiesgrube und Zerstörte Schuchmann’sche Brauerei (1945).
Die Staatsgalerie Stuttgart erwarb 1932 das Ölgemälde Von meinem Fenster aus.
Die Evang. Kirchengemeinde Weinsberg besitzt vier christliche Motive des Malers: Ölberg, Weg nach Golgatha, Jesus am Kreuz und Geburt Christi.
In der privaten Sammlung von Sybille Fahrbach in Weinsberg befinden sich rund 20 Gemälde des Malers.
Literatur
Norbert Jung: Spurensuche 18 – Robert Carle, Ernst Haertel, Richard Münzenmaier, Heilbronn 2019.
Einzelnachweise
- Erwin Fuchs: Robert Carle – Modelleur, Maler und Bildhauer, in: Lokalanzeiger 1986, Stadtarchiv Heilbronn, Bestand ZS-11194.
- Foto bei Wikimedia Commons.
- Stuttgarter Ausstellungen, in: Der Bildereinrahmer und Vergolder, Jg. 16, 1930, Heft 20 (25. Oktober 1930), S. 294-295.