Käthchenbrunnen in Heilbronn (Willi Wioska)

Inv. Nr. 2018.013

Beschreibung

c.a 70 x 100 cm, Leinwand, gerahmt

Unten links signiert „W. W.“

Willi Wioska (1928-1968) war Hobbymaler aus Heilbronn. Er arbeitete ab 1951 als Zivilangestellter im Transportation Office der in Heilbronn stationierten US Army, wechselte 1961 zu einer Heilbronner Speditionsfirma, kehrte jedoch im Folgejahr wieder in ein Angestelltenverhältnis bei der US Army zurück. Er verstarb unerwartet im Alter von 39 Jahren und hinterließ Frau und vier Kinder (Nachruf im Stadtarchiv Heilbronn, Signatur A042-2993).

Der von Dieter Läpple (1938-2019) gestaltete und 1965 aufgestellte Käthchenbrunnen in Heilbronn polarisierte die Einwohner der Stadt. Durch Kleists Schauspiel „Das Käthchen von Heilbronn“ ist Heilbronn gemeinhin als Käthchenstadt bekannt, und die Titelfigur wird mannigfaltig zu touristischen Zwecken genutzt. Die etwas unproportioniert wirkende Brunnenfigur von Dieter Läpple wollte aber nicht so recht dem Anspruch der Bürger an eine hübsche Repräsentationsfigur entsprechen. Zu kräftige Waden habe sie, zu flachbrüstig sei sie, ihr Hintern sei zu groß. Über verschiedene, sich bald nach der Aufstellung ereignenden Proteste und Anschläge gegen die Figur berichtete sogar Die Zeit in ihrer Ausgabe 40/1965. Man erinnerte an „das Plakat ,Unser Contergan-Käthchen‘, mit dem die Brunnenfigur eines Morgens dekoriert war, und die mit Farben gefüllten Eier, mit denen die Standhafte eines Abends bekleckert wurde“ und erwähnte einen „mannhaften Anlauf, das ,entartete‘ Käthchen in den Brunnen zu stürzen“. Allen Stürmen zum Trotz hat sich die Figur bis heute erhalten, selbst nachdem sie 2020 durch ein ungeschicktes Wendemanöver eines Lieferwagens schwer beschädigt wurde.

Der Hobbymaler Wioska (von dessen Nachfahren wir das Bild erworben haben) hat das Motiv nach einer Fotopostkarte aus dem Verlag der Gebr. Metz in Tübingen gemalt. Von hinter dem Käthchenbrunnen aus geht der Blick am historischen Fleischhaus vorbei in die noch als Fahrstraße ausgestaltete Kirchbrunnenstraße. Die Aufnahme dürfte zeitnah nach Aufstellung des Brunnens erfolgt sein. Im Gegensatz zum Postkartenmotiv ist das Gemälde merkwürdig unbelebt: weder Autos noch Menschen sind auf den Straßen zu sehen. Unser Gemälde lässt sich ziemlich genau in die Zeit zwischen Aufstellung des Brunnens 1965 und dem Tod des Malers im Januar 1968 datieren.

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